Jahresrückblick 2018

Bevor das Jahr vorbei ist, muss ich mich hier ja doch nochmal melden, finde ich. Die lange Pause tut mir leid, aber ich hatte einfach viel um die Ohren. Daher möchte ich diesen Blogeintrag auch als Jahresrückblick nutzen. Let’s begin…

Januar & Februar 2018
Nach ca. viereinhalb Monaten schlossen mein Kollege und ich die Arbeit an der Website eines Kunden ab. Wir waren zufrieden und stolz auf das Ergebnis und hatten auf dem Weg dorthin viel gelernt. Heute kann ich sagen, dass der Kunde sich nie wieder gemeldet hat, da unser Ansprechpartner wechselte und der neue Webseiten-Beauftragte scheinbar kein Interesse mehr an unserer Arbeit hatte. Nebenbei bewarb ich mich um einen Schulplatz um zum staatlich anerkannten Heilerziehungspfleger ausgebildet zu werden.

März & April 2018
Im März erhalte ich eine Zusage auf meine Bewerbung um den Schulplatz. Das einzige was fehlt ist ein dreimonatiges Praktikum. Dieses beginnt am 2. April 2018. Nebenbei erkundige ich mich nach Möglichkeiten zur Finanzierung der Ausbildung, da das Jobcenter mich nicht unterstützen will. Die Recherche zieht sich. Ein Besuch beim Amt für Ausbildungsförderung lässt mich von der Möglichkeit auf BAföG absehen. Ich konzentriere mich stattdessen auf die Finanzierung durch eine Stiftung. Als diese fertig ist, schicken wir die Unterlagen ab. Ende Mai soll über meinen Antrag entschieden werden. Ich beginne während des Praktikums ehrenamtlich eine Kindergruppe zu betreuen, was mir, trotz vorheriger Unsicherheit großen Spaß macht. Die Kinder, Kollegen und Eltern reagieren toll auf mich und ich bin schnell akzeptiert und respektiert.

Mai 2018
Das Praktikum verläuft gut und schlecht. Ich merke, dass mir die Ambulante Arbeit zwar Spaß macht, aber die täglich wechselnden Arbeitszeiten machen mir auf Dauer auch sehr zu schaffen. Dies merke ich dadurch, dass mein Haushalt komplett zusammenbricht. Dafür mache ich die erhöhte Wochenarbeitszeit im Vergleich zur Arbeitsgelegenheit verantwortlich. Anfang Mai habe ich einen Wasserschaden zuhause, der mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs führt. Als ich diesen entdecke, möchte ich am liebsten das Land verlassen. Mein bester Freund kommt vorbei und bis morgens um halb 5 feudeln wir meine Wohnung trocken. Dadurch wird mein zusammengebrochener Haushalt, den ich bis dato zu verstecken wusste, entblößt und mir wird klar, dass es so nicht weitergehen kann. Ende Mai wird bei mir eine Hauswirtschaftsanleiterin installiert. Außerdem feierte ich am 12. Mai mein zweijähriges Jubiläum als Abstinenzler.

Juni 2018
Ich tue mich nach und nach schwerer damit mich mit den Finanzierungsmöglichkeiten auseinander zu setzen. Die Stiftung informiert mich einen Tag vor der möglichen Entscheidung, dass ihnen doch noch Unterlagen fehlen. Ich reiche diese nach, doch die Entscheidung wird verschoben. Im Juni wiederholt sich das ganze und nachdem ich auch in Sachen BAföG nicht weitergekommen bin, muss ich entscheiden, dass ich der Ausbildungsstelle absagen muss. Ab Juli hätte ich bereits eine Aufnahmegebühr zahlen müssen und da die Finanzierung ja nicht einmal kurz vor der Klärung war, entscheide ich mich dazu abzusagen. Die Entscheidung führt bei mir zu großer Erleichterung.

Juli & August 2018
Auch über mein Praktikum hinaus mache ich bei der Kindergruppe weiter mit. Auch mit meinen Kollegen aus dem Praktikum verbleibe ich privat und beruflich in Kontakt. Wenn nötig helfe ich mit meinen kaufmännischen und EDV-Fähigkeiten weiter. Mit dem Jobcenter gemeinsam entscheide ich, dass ich gerne eine berufliche Reha machen möchte. Mir fehlt die Tagesstruktur, wenn ich nicht regelmäßig los muss. Diese Entwicklung ist neu und war ein Jahr zuvor kaum denkbar.

September & Oktober 2018
Im September nehme ich zum vierten Mal an Suchtpräventionsunterricht als Referent und Suchtexperte teil. Die Resonanz ist wie immer gut. Auch für den November und Dezember bin ich wieder „gebucht“. Ende Oktober 2018 beginnt die berufliche Reha in meiner Wunscheinrichtung. Ab Anfang September bin ich offiziell als ehrenamtlicher Laienhelfer bei der Kindergruppe angemeldet.

November 2018
Ich füge mich gut in die Gruppe ein und komme auch wunderbar mit den Dozenten aus. In der Mittagspause kann ich mich außerdem mit meinen ehemaligen Kollegen aus dem Praktikum und den Kollegen aus der Kindergruppe austauschen. Meine ehemaligen Kollegen vermitteln mir wieder und wieder, dass ich für sie fest zum Team dazu gehöre, was die schönste Rückmeldung ist, die ich mir nach meiner Geschichte wünschen kann. Die Kindergruppe leidet etwas unter der beruflichen Reha, da ich nur sehr unregelmäßig teilnehmen kann, aufgrund meiner Arbeitszeiten. Lösungen für 2019 sind jedoch bereits gefunden. Für die Teilnahme an der Beruflichen Reha erhalte ich vom Jobcenter einen Mehrbedarf, was für mich bedeutet, dass ich endlich finanziell etwas entlastet bin. Dies führt bei mir zu einer neuen grundsätzlicheren Kernentspannung.

Dezember 2018
In der ersten Dezember Woche erkrankt mein Vater an plötzlichem und hohen Fieber, er kann teilweise gar nicht alleine aufstehen. Meine Mutter kümmert sich rührend um ihn. Der Hausarzt geht von Grippe (Influenza) aus. Am 10. Dezember wird er Abends, nachdem er gestürzt ist, vom Notarzt und Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Er landet auf der Intensivstation und im künstlichen Koma, aufgrund eines akuten Lungenversagens. Die Ärzte sagen uns von Anfang an, wie ernst die Lage ist und dass es sehr kritisch um ihn steht. Am 15. Dezember verstirbt mein Vater. Meine Mutter und ich sind bei ihm, als die Maschinen abgeschaltet werden. Am 28. Dezember findet die Trauerfeier statt, auf der ich eine selbst geschriebene Trauerrede halte.

Anfang Dezember begann ich diesen Jahresrückblick zu schreiben. Jetzt, einen Monat später, habe ich die Zeit und Muße ihn abzuschließen. Über meinen Umgang mit dem Tod meines Vaters werde ich wahrscheinlich demnächst noch einen separaten Blogeintrag schreiben.

Frohes neues Jahr!

Roger Verfasst von:

36-jähriger Nerddeutscher (Vorsicht! Wortspiel!), der in diesem Blog über sein Leben mit ADHS berichtet.

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