The Night of

Im Spätsommer dieses Jahres, empfahl mir eine Freundin die neue HBO (Mini-)Serie „The Night of“. Ich sah mir daraufhin den Trailer an, der qualitativ gut aussah und entschied mich, der Serie eine Chance zu geben, da ich gerade keine andere Serie auf dem Zettel hatte.

STORY – 3,5 von 5 Sternen

In „The Night of“ geht es um den jungen Studenten Nasir Khan, der eigentlich nur auf eine Party der „coolen Kids“ gehen möchte, zu der er eingeladen wurde. Seine Mitfahrgelegenheit lässt ihn hängen, also nimmt er, ohne zu fragen, das Taxi seines Vaters. Doch die Party erreicht er nie, denn vorher geht alles schief. Er verfährt sich in New York und Passanten denken, das Taxi sei im Dienst und steigen ein. Die ersten 2 Männer kann er noch abwimmeln (unter tätiger Mithilfe von 2 Polizisten). Doch als die junge, attraktive Andrea (gespielt von Sofia Black-D’Elia) einsteigt und ihn bittet, sie zum Strand zu fahren, entscheidet er sich, sie tatsächlich an ihr Fahrtziel zu bringen. Anschließend lernen die beiden sich etwas kennen und fahren später zu ihr. Dort nehmen sie und Nasir Drogen, was später zu Sex führt. Irgendwann blendet die Kamera weg und in der nächsten Szene sehen wir Nas vor dem offenen Kühlschrank sitzend und schlafend. Nas kommt langsam wieder zu sich und will anschließend seine Sachen aus dem Schlafzimmer holen, wo er die tote und offensichtlich ermordete Andrea findet. Genau wie Nas wissen wir nicht, was passiert ist. Von da an nimmt die Serie dann ihren Lauf.

SCHAUSPIELER – 4 von 5 Sternen

Nasir Khan wird von Riz Ahmed gespielt. Ihn hatte ich bereits in „Nightcrawler“ gesehen, aber nicht wieder erkannt. Auch er macht einen wahnsinnig guten Job. Gerade wie er Nas in den für ihn völlig neuen Umgebungen spielt, ist überzeugend. Von Riz Ahmed werden wir in der Zukunft noch mehr sehen. Er hat unter anderem eine Rolle im nächsten Star Wars Film „Rogue One“.

Der zweite Hauptdarsteller ist Nasirs Anwalt John Stone, der von John Turturro („The Big Lebowski“ und „Transformers“) gespielt wird. Erst später fand ich heraus, dass er eigentlich nur die 3. Wahl war. Ursprünglich war die Rolle für James Gandolfini (Tony Soprano!) geschrieben worden, der aber leider im Sommer 2013 verstarb. Anschließend sagte Robert de Niro zu, doch nachdem sich die Vorbereitungen immer länger hinzogen, sprang De Niro wieder ab. Dann wurde es John Turturro. Und was soll ich sagen? Er macht einen ganz großartigen Job als der weirde Anwalt mit den Ekzemen an den Füßen, der eigentlich nur Kleinkriminelle vertritt.

Auch alle Nebendarsteller sind überzeugend in ihren Rollen. Bekannt vorkommen dürfte vielen der Stiefvater von Andrea (gespielt von Paul Sparks). Ihn kennt man aus „Boardwalk Empire“ und „House of Cards“.

UMSETZUNG – 4 von 5 Sternen

Die Serie ist insgesamt sehr gut gemacht. Die Kameraarbeit, das Set-Design und die Dialoge sind auf einem hohem Niveau. Der Soundtrack ist solide und unaufdringlich, jedoch auch nichts, was wirklich heraussticht oder hängen bleibt. Auch die Charaktere sind größtenteils sehr gut geschrieben und handeln nachvollziehbar. Fast durchgehend hatte ich durch das gute Drehbuch und die starken Schauspieler das Gefühl zu wissen, was sie dachten. Interessant ist, was mit mir als Zuschauer passierte, während ich die erste Folge sah. Durch den Trailer wusste ich, dass Andrea am Ende der Nacht (welche die komplette erste Folge einnimmt) tot sein würde. Das hat dazu geführt, dass ich bei allem, was zwischen den beiden in der Nacht passiert, dachte „Oh Mann. Wie will er das bloß erklären.“ Ich habe mir also schon während der ersten Folge Sorgen um Nasir gemacht. Diese frühe emotionale Bindung an den Hauptcharakter hat dazu geführt, dass ich mir die Frage, ob ich die Serie weiterschauen würde, nach Folge 1 nicht mehr gestellt habe.

Erst später in der Staffel passiert etwas, was völlig negativ heraussticht. Auf einmal handelt ein Charakter komplett out-of-character und das nur, weil es die Story vorantreibt, obwohl er eigentlich zu intelligent ist, um diese Fehler zu begehen. Dieses „Fehlverhalten“ ist nicht überzeugend genug aufgebaut und sticht deshalb im Vergleich zum Rest so stark heraus. Da es sich um eine Szene handelt, die für das Ende durchaus relevant ist, zieht es die Bewertung meinerseits leider etwas herunter. Wer die Serie gesehen hat, wird sicherlich sofort wissen, worauf ich mich beziehe. Darüber hinaus kann man sicherlich noch kritisieren, dass es keine wirkliche Timeline gibt. Wir also nie genau wissen, wie viel Zeit seit der Mordnacht vergangen ist. Gefühlt passiert alles in der Serie in wenigen Wochen, dabei ist klar, dass bei so einem Fall (inkl. späteren Gerichtsverhandlungen) Monate vergehen müssen. Das bestätigen auch die krassen Charakterveränderungen. Das stört jedoch nicht beim Gucken der Serie, sondern fällt erst im Anschluss auf, wenn man länger drüber nachdenkt. Daher würde ich das als kleineren Makel abtun.

GESAMTBEWERTUNG – 4 von 5 Sternen

Wer gute Drama Serien mag, sollte sich unbedingt „The Night of“ anschauen. Die 8 Folgen zu bingewatchen macht Spaß. Ursprünglich war die Serie als Mini-Serie konzipiert, das heißt nur eine Staffel. Quasi ein langer Film über mehrere Folgen. HBO ist aktuell aber wohl sehr an einer weiteren Staffel interessiert. Es laufen im Moment Gespräche darüber. Ich wäre eher gegen eine weitere Staffel, da es schwierig sein dürfte, die Qualität so hoch wie in Staffel 1 zu halten. Aber wer weiß. Bisher sind es ja auch nur Gespräche.

Ich muss noch anmerken, dass ich die Serie, wie alle anderen Serien, die ich verfolge, im Originalton geschaut habe. Daher kann ich die deutsche Synchronisation nicht bewerten.

Ach so, eins noch: Es kommen keinerlei Superhelden in „The Night of“ vor. 😉

Roger Verfasst von:

34-jähriger Nerddeutscher (Vorsicht! Wortspiel!), der in diesem Blog über sein Leben mit ADHS berichtet. Außerdem reviewt er Serien, Hörbücher und Videospiele.

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