Das Kind im Manne

Ist mir ja ein bisschen unangenehm jetzt. Ähm, frohes neues Jahr!? Ich war selbst überrascht, als ich sah, dass mein letzter Eintrag hier noch aus dem November datiert. Ich hatte in der Zwischenzeit tatsächlich mal angefangen einen neuen Blog-Eintrag zu schreiben, doch dann war ich wieder davon abgekommen und schlussendlich wurde er nie veröffentlicht.

Dann eben jetzt. Das neue Jahr begann für mich mit einer Mini-Krise. Anfang Januar steckte ich für sieben bis zehn Tage in einer depressiven Episode, die dann von heute auf morgen wieder verschwand. Da eine Krise ja auch immer eine Chance beinhaltet, habe ich daraus etwas gelernt. Damals spürte ich, dass ein Teil von mir total depressiv eskalierend unterwegs war. Gleichzeitig nahm ich eben aber auch wahr, dass es nur ein Teil von mir war. Als der eskalierende Teil anfing zu propagieren, dass „am nächsten Tag nicht zur Arbeit zu gehen“ doch eine tolle Idee wäre, sprangen bei mir sofort alle Alarmglocken an. Rückblickend ist daraus ein schönes Bild geworden, dass seitdem für mich immer wichtiger wurde.

Meine Psyche besteht aus einem Kind und einem Erwachsenen. Das Kind lebt schon immer dort. Durch meine Kindheit, Jugend und meinen späteren Drogenkonsum und meine psychische Erkrankung (und vermutlich auch durch ADHS) hat es sich in eine, sagen wir mal, schwer erziehbare Richtung entwickelt? Der Erwachsene, der eigentlich in meinen Zwanzigern so langsam die Verantwortung für das Kind hätte übernehmen sollen, ist damals aber einfach vor dem Kind geflüchtet. Der Erwachsene ist, angestoßen durch meine Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren, jedoch inzwischen wieder vor Ort und beginnt, mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen. Als ich also zum Jahresanfang meine Mini-Krise hatte, war es das Kind, dass in mir eskalierte, bis hin zu „will nicht zur Arbeit“. Der Erwachsene, der das Kind sich hat ausbrüllen lassen, und nur kontrollierte, dass es sich oder andere nicht in Gefahr brachte, schritt dann ein und übernahm die Verantwortung, in dem er sagte „Nicht zur Arbeit zu gehen, ist nicht akzeptabel“ oder „Bis hier hin und nicht weiter“. Ich mag das Bild mit dem Kind und dem Erwachsenen sehr. Es hilft mir beim relfektieren und ich konnte, davon ausgehend, noch weitere interessante Schlüsse ziehen. Wie zum Beispiel, dass das Chaos in meiner Wohnung daher rührt, dass das Kind dort viele viele Jahre allein gewohnt hat. Auch als der Erwachsene zurückkam, war es die Wohnung des Kindes und er war seitdem dort geduldet, hatte aber was zum Beispiel Ordnung angeht, nichts zu melden.

Dies ist aktuell ein Weg für mich meine Haushaltsführung mithilfe eines meiner Betreuer vor Ort anzugehen. Klar, läuft noch nicht alles perfekt. Aber wir sind dran und das ist das wichtigste. Die Mini-Krise ist bis heute genau das geblieben, eine Ausnahme. Eine, ohne negative Konsequenzen. Im Gegenteil, wir ihr oben lesen könnt, habe ich daraus sehr viel gelernt. Ansonsten geht es mir sehr gut und ich plane meine Zukunft. Gestern hatte ich ein Vorstellungsgespräch. Das erste seit 2007. Es lief gut. Genaueres dazu, werde ich hier sicherlich noch in der Zukunft schreiben. Für jetzt soll es das aber erstmal gewesen sein. Bis bald.

Roger Verfasst von:

34-jähriger Nerddeutscher (Vorsicht! Wortspiel!), der in diesem Blog über sein Leben mit ADHS berichtet. Außerdem reviewt er Serien, Hörbücher und Videospiele.

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