Willkommen

Vor einigen Jahren hatte ich die Idee einen Blog zu starten. Jedoch ohne wirklich zu wissen, worüber ich hätte bloggen sollen. Ich wollte hier und dort mal ein Video posten. Dann und wann einen Gedanken loswerden. Und joa, das war es dann auch schon an Konzept. Tobi, mein bester Freund, war damals Web-Designer und schenkte mir ein schönes Design, doch das war für die Katz, da mich die Lust auf das Bloggen schneller wieder verließ, als sie gekommen war.

Seit 2006/2007 leide ich an Depressionen. Seit 2005/2006 habe ich regelmäßig und viel gekifft. Oft habe ich mir die Frage gestellt, was kam zuerst. Die Depression und ich habe darauf mit Kiffen reagiert? Oder kam die Depression durch das Kiffen. Endgültig kann ich die Frage zwar heute auch nicht beantworten, es ist aber bewiesen, dass Kiffen gerade bei Depressionen und vielen anderen psychischen Erkrankungen (je nach familiären Vorgeschichte) auf jeden Fall nichts verbessert.

Dazu habe ich mich noch mit vielen anderen Problemen rumgeschlagen. Schulden, die mich 2010 in die Privatinsolvenz trieben. Ein chaotischer Haushalt, der keinerlei Struktur besaß. Arbeitslosigkeit. Oben drauf dann mein Marihuana-Konsum und ein bisschen herum gerührt und schon hat man einen wunderbaren Eintopf aus Mist. Perfekter Nährboden für eine Depression. (Oder das „Depressionsmännchen in einem drin“, wie meine Betreuerin sagen würde.)

Im Sommer 2015 habe ich dann beinahe meine Wohnung verloren. Dies sah ich nicht kommen, da ich meinen Briefkasten nicht leerte und meine Post nicht las. Teilweise ging Post sogar zurück, weil der Briefträger sie nicht mehr in meinem Briefkasten unterbringen konnte. Als ich also mitbekam, dass ich sehr knapp vor einer Räumungsklage stünde, nahm ich die Dinge in die Hand und kümmerte mich. Gerade so und mit viel Glück konnte ich meinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Ich zahlte die eine offene Miete (die erst zu dem Debakel geführt hatte) sowie die minimalen Gerichtskosten und die Räumungsklage war abgewandt. Die Erleichterung darüber war unbeschreiblich.

Dieser Schuss vor den Bug hat dafür gesorgt, dass ich mir im Herbst/Winter 2015 endlich professionelle Hilfe suchte. Ich wandte mich an Die Brücke in meiner Heimatstadt Lübeck und fand dort Hilfe. Ich habe seitdem 2 Bezugsbetreuer (nicht zu verwechseln mit gesetzlichen Betreuern) an meiner Seite, die mir dabei helfen mein Leben zu meistern. Für diese Hilfe bin ich sehr dankbar.

Von da an schrieb ich schnell auch positive Schlagzeilen. Im Februar 2016 wurde mir die Restschuldbefreiung erteilt, was bedeutet, dass meine Privatinsolvenz durch ist. Außerdem gelang es mir, alle restlichen Leichen in meinem Keller loszuwerden, sodass ich heute zumindest buchhalterisch Grund drin habe. Bis auf eine Schuld gegenüber dem Beitragsservice, die ich noch bis 2020 abzahlen muss (jedoch in mäßigen Raten) bin ich endlich gut aufgestellt.

Im Mai 2016 wurde bei mir ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) festgestellt. Dieses habe ich bereits seit meiner Geburt, musste aber erst 32 Jahre alt werden, um davon zu erfahren. Viele Jahre wusste ich, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt bzw. irgendwas anders ist als bei anderen. Ich war schon immer recht vergesslich, unordentlich, sprunghaft und impulsiv. Und vorallem war ich uninformiert. Das Klischee von AD(H)S in meinem Kopf entsprach etwas ganz anderem, daher war ich von selbst nie darauf gekommen, obwohl ich schon oft meine Symptome gegooglet hatte.

Seit Mai nehme ich nun Medikamente wegen ADS und diese haben mein Leben verändert. Ich kann nun endlich etwas anfangen und zu Ende bringen (wie z.B. diesen Blogpost) und höre nicht in der Mitte auf und widme mich etwas anderem, was mir mehr Spaß verspricht. Die Medikamente haben auch den positiven Nebeneffekt, dass sie mir verbieten Alkohol zu trinken oder zu kiffen, da der Mischkonsum zu einer Psychose führen kann. Und eine Psychose ist das letzte, was ich brauchen kann. Sie haben also dazu geführt, dass ich seit Mai abstinent lebe. Kein Alkohol, kein Gras. Mit anderen Drogen hatte ich nie zu tun. Okay, doch. Ich rauche noch. Aber auch das will ich (vielleicht 2017?) noch angehen, da es meiner Gesundheit sicher gut tun würde. Für dieses Jahr war der Verzicht auf Alkohol und Gras erstmal genug.

Montags, alle 2 Wochen, besuche ich eine Selbsthilfegruppe der Brücke, wo ich mit anderen Suchtkranken über unsere psychischen Probleme und alles mögliche rede, was uns im Leben beeinträchtigt oder beschäftigt. Ich struggele überhaupt nicht mit der Abstinenz, was gut ist, kann dort aber auch etwas geben, da ich den Jahren meines Konsums doch vieles durchgemacht habe und viele Gedanken durchgespielt habe und ein großes Verständnis für allerlei Dinge aufgebaut habe.

Vor einigen Wochen kam mir dann der Gedanke, vielleicht doch wieder bloggen zu wollen. Immerhin hätte ich jetzt auch etwas zu erzählen. Mein Kopf ist klarer und ich bin insgesamt viel stabiler (und ich kann einen Blogpost auch endlich mal zu Ende schreiben, ohne abzubrechen.)

Mir geht es mit diesem Blog nicht darum reich und berühmt zu werden (soll es ja geben). Ich möchte viel mehr meine Gedanken loswerden und Dinge, die mich interessieren teilen und bewerten. Gerade im Bereich TV habe ich, so glaube ich, einen guten Geschmack und möchte gerne hier und dort etwas reviewen und so weiterempfehlen. Außerdem freut es mich, wenn sich auch nur ein Mensch hierher verirren sollte, der in einer ähnlichen Situation steckt und in dem, was ich schreibe, Kraft oder Inspiration findet. Wenn dem nicht so ist, auch gut. Mir geht es hierbei nicht um Feedback. Daher nutze ich auch lieber Twitter statt Facebook. Nur reichen mir 140 Zeichen oft nicht aus. Wenns ausführlicher sein soll, habe ich jetzt diesen Blog um mich auszudrücken. (Seriously. Auf deutsch twittern ist die Pest für jemanden wie mich.)

Bevor ich nun endgültig abschweife, mache ich nun besser Schluss mit diesem Post. Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.

Roger Verfasst von:

35-jähriger Nerddeutscher (Vorsicht! Wortspiel!), der in diesem Blog über sein Leben mit ADHS berichtet.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.